FORE-Tagung Februar 2020

FORE – Tagung

Dauernd Krise.
Eine post-apokalyptische Betrachtung

Fr./Sa. 14./15. Februar 2020

Seminarhaus Alter Ziehbrunnen
Bergstraße 30 - 83093 Bad Endorf
Tel.: 0 80 53/30 75-0      Fax: 0 80 53/30 75-10
http://www.ziehbrunnen.de

 

 

Spätestens seit 1972 – dem Jahr, in dem die Studie „Limits to Growth“ erschien – sind wir gewahr, dass Bevölkerungswachstum, Industrieproduktion, Umwelt- und Ressourcenverbrauch nahezu ungebremst zunehmen. Die Globalisierung und  die Deregulierung der Finanzmärkte haben das Krisenbewusstsein weiter verschärft. Der Brennpunkt des derzeitigen öffentlichen Interesses ist fokussiert auf den Klimawandel. Hier stehen sich zwei Lager unversöhnlich gegenüber: Die Klimaforscher, die seit letztem Jahr medienwirksame Unterstützung durch die „Fridays-for-Future“-Bewegung erhalten haben und  einschneidende Veränderungen im Energieverbrauch und Lebensstilen fordern, um eine größere Katastrophe abzuwenden; auf der anderen Seite die „normalen“ Bürger, die den bereits eingetretenen Klimaänderungen mit einer gewissen Gelassenheit begegnen, und von der Vorstellung geleitet sind, dass es auch diesmal schon nicht so schlimm kommen wird.


Welches der beiden Lager recht behält, ist offen und wird dies auch noch für längere Zeit bleiben. Wenn man also a) nicht sicher wissen kann, was kommen wird, und b) mittlerweile daran gewöhnt ist, dass immer erneut das Weltenende beschworen wird, dann könnte man diesen Zustand als „Postapokalypse“ bezeichnen. Anders als in Filmen des postapokalyptischen Genres ist damit aber nicht der Zustand nach einer die Zivilisation auslöschenden Katastrophe gemeint, sondern ein Zeitgeist, der durch apokalyptische Dauererregung in Erschlaffung und Zynismus verfallen ist.

Diese Diagnose könnte dann Anlass sein zu überlegen, welche Funktionen apokalyptische Erzählungen zunächst im Christentum und später in der industriell-kapitalistischen Gesellschaft hatten. Sind sie erforderlich, um das traditionelle „Weiter so“ aufzubrechen und Gesellschaften für eine Bewegung jenseits des „Status quo“ zu mobilisieren? Oder lenken sie eher von einer nüchternen Befassung mit der „Conditio humana“ ab, indem sie das nahe Ende mit Aussicht auf Himmel oder Hölle – Revolution (WBGU: „Große Transformation“) oder Barbarei – verheißen?

Arnold Toynbee hat in seiner evolutionären Geschichtsbetrachtung den Zusammenbruch und den Aufstieg von „Gesellschaftskörpern“ beschrieben. Sowohl für die Entstehung des Lebens aber auch für die Entwicklung humaner Kulturen scheint dasselbe zu gelten: dominante Strukturen müssen weichen, damit Neues entstehen kann. Wenn wir die Evolution als etwas Größeres verstehen, das wir nicht völlig begreifen und nur marginal beeinflussen können, dann ist uns postapokalyptische Demut und Gelassenheit nahe gelegt. Neue Zeiten werden kommen, aber diese wird die Evolution nicht nach unseren gegenwärtigen Plänen gestalten.  

In einer früheren FORE-Veranstaltung haben wir uns schon mal mit der Apokalypse beschäftigt. Damals hat Bodo Fründt uns einen Überblick über Filme zu dem Thema berichtet. Auch in einem gewissen Andenken an ihn wollen wir die Veranstaltung mit einem Film eröffnen, der die Welt diesmal aus postapokalyptischer Perspektive betrachtet und interpretiert.

Bernhard Gill wird zu Beginn berichten, wie sich Gesellschaften – vor allem in Südeuropa – nach der Weltwirtschaftskrise von 2007 offenbar recht erfolgreich mit rückläufigem Wirtschaftswachstum einrichten.

Zum Ende unserer Veranstaltung wird Edgar Büttner die Apokalypse aus theologischer Sicht beleuchten, was wir damals 2012 nicht getan haben.

Programm

Freitag, 14.2.2020
ab   13:00 Anreise
15:00 16:30 Film (Gespräch mit Rainer Voss)
      „Master of the Universe“ Marc Bauder (2013)
17:00 18:30 Bernhard Gill
      „Steigende Lebenserwartung bei schrumpfender Wirtschaftsleistung: Wohlfahrt in real existierenden Postwachstumsgesellschaften“
    19:00 Abendessen

 

Samstag,  15.2.2020
ab   8:00 Frühstück
9:00 10:30 Film zum Thema „Postapokalypse"
      „Lektionen in Finsternis“ von Werner Herzog (1992)
11:00 12:30 Edgar Büttner
      „Ursprünge der jüdisch/christlichen Apokalypse“
    13:00 Mittagessen

 

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